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Aktuelles und Historisches über die Ausstattung der Schloßkirche

Altarraum

 

 

Seit Ihrer feierlichen Konsekrierung am 27. Juni 1745 durch den Wiener Kardinal Erzbischof Graf Sigismund von Kollonitz (1716 - 1751) hat die Schloßkirche freilich viele Veränderungen und so manche Krise überstanden. In den folgenden Seiten sehen Sie den aktuellen Zustand und die aktuelle Ausstattung der Schloßkirche.

 

 

 

Der Saalraum - Gesamteindruck

Gesamteindruck

Die Schloßkirche ist baulich gesehen ein "über beide Geschoße reichender Saalraum, der am Außenbau nicht hervortritt. Dreijochig mit korbbogigem Schluß und tiefem Vorraum unter der Westempore; ionische Pilastergliederung mit reichem, im Altar- und Emporenbereich unterbrochenem Gebälk, darüber Platzgewölbe zwischen Gurten; flachkorbbogige Oberga­benfenster, südlich zum Teil verspiegelt, beziehungsweise mit Gang kommunizierend, im ersten und dritten Joch beidseitig Türen mit Puttenfiguren über Dreieckgiebeln, Puttenin den Sturzfeldern vergoldeter Stuckdekor.

Westlicher Raumabschluß durch das Kaiseroratorium über ionischen Pfeilern in Höhe der Pilasterordnung mit Serlio-Motiv zur Kirche geöffnet; darunter nachträglich eingebauter schlichter Orgelchor mit Holzbrüstung.

 

Die Wandmalereien stammen aus 1744. Im Apsisscheitel seitlich des Altarbildes befinden sich adorierende Engel, in den Gewölben querovale Bildfelder mit Christusszenen, vom Osten gesehen die Taufe Jesu, dann seine Verklärung auf dem Berge Tabor und schließlich die Bergpredigt. Dieselben stammen von Daniel Gran. Reiche, die gebaute Architektur akzentuierende Dekorationsmalerei an den Wänden und Gewölben stammen von Franz Joseph Wiedon 1744." (Dehio-Handbuch, Wien X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk, Wien 1996, 137)


 

Deckenfresken

Vermutlich im gleichen Jahre wie das Fresko in der Schönbrunner Schloßkapelle (1744), schuf Daniel Gran die hiesigen Deckengemälde. Eine Signatur am Gewölbeansatz rechts über dem Hochaltar lautet: "Fr. Jo. Wiedon P. Architect 1744" (Franz Josef Wiedon pinxit Architecturam). Der Ornamentmaler Wiedon arbeitete 1737 mit Daniel Gran im Stift Hradschin bei Olmütz zusammen und 1748 - 1750 nach Gran am Sonntagberg. Die eigentlichen Deckenbilder aber, die vierpaßartig gerahmt als querovale Tondi in die drei Gewölbejoche der Schloßkirche gemalt sind und die Taufe Jesu, seine Verklärung und die Bergpredigt darstellen, sind keine Schöpfungen Wiedons. Die Zuschreibung an Daniel Gran wird durch zwei Zeichnungen in der Albertina und ein Studienblatt im Museum der bildenden Künste in Budapest erhärtet.

Wenn es da und dort auch Zweifel an der eigenhändigen Ausführung der Fresken durch Gran gegeben hat, ist zumindest seine künstlerische Oberleitung außer Frage gestellt. Die Zeichnungen der Albertina beziehen sich auf die Taufe und Verklärung Christi.

Taufe Christi

Taufe Christi

Das mit der Taufe Christi zusammenhängende Blatt kommt der Freskoausführung außerordentlich nahe. Es zeigt bereits genau die Rahmenform und auch die feierliche Strenge, Konzentration und repräsentative Gültigkeit der Darstellung: fast frontal in der Mitte Jesus und der Täufer, zwischen ihnen symbolhaft das Lamm, senkrecht darüber die Taube; links drei Jünger, rechts zwei Engel mit Wasserbecken und Gewand Christi. Die landschaftliche Szenerie, die bei Taufbildern gerne ausgeweitet wird, bleibt auf das Notwendigste und auf den Vordergrund beschränkt. Es genügen ein Flußausschnitt, einige Uferbänke und Bäume. Die Konzentration auf das wesentlich Geistige verleiht dem Werk eine nahezu symbolhafte und zeitlose Gültigkeit. Geistig verwandt sind die Taufbilder Marattas in Sta. Maria degli Angeli in Rom und in der Certosa di San Martino in Neapel. Die konkrete und exakte Fassung solcher Themen machte Daniel Gran so begehrt, daß er verschiedentlich auch als Ratgeber beim Entwurf von Fresken und Programmen zugezogen wurde, wie 1747 in St. Florian.

 

Verklärung Christi

Verklärung Christi

Die Zeichnung der Verklärung Christi ist skizzenhafter als die zur Taufe und weicht etwas von der Freskoausführung ab. Sie wurde leider auch stark beschnitten, so daß nur die Gestalten Christi und des Moses zur Gänze zu sehen sind. Ferner lassen sich die Köpfe sowie die erhobene Hand zweier darunter befindlicher Apostel ausnehmen. Daniel Gran verbindet auf diesem Blatt ursprüngliche zeichnerische Lebendigkeit und Ausdruckskraft mit stärkster Konzentration der Form, was höchste künstlerische Reife verrät. Die Linien sind weniger hiebartig hingesetzt, hängen mehr zusammen und schwingen lebendiger aus als in den für Brünn und den Sonntagsberg gezeichneten Blättern.

 

 

Bergpredigt

Bergpredigt

 

Das erwähnte Budapester Studienblatt zeigt Engelfiguren in verschiedenen Stellungen. Sie sind exakt gezeichnet und fast musterbuchartig nebeneinander gereiht. Sie wurden in verschiedenen Gemälden des Meisters benützt. Der Engel mit dem Rauchfaß in der untersten Reihe links

fand in der Apsis der Schloßkirche, rechts über dem Altar, Verwendung. Er schwebt dort mehr horizontal als im Studienblatt. Aus diesen Gründen gehört das Deckenfresko zu den ganz wertvollen Kostbarkeiten seiner Zeit.





 


Marienbaldachin

Unter einem Glorienbaldachin befindet sich an der rechten Seite des Presbyteriums eine Nachbildung des Gnadenbildes von Mariazell, der »Großen Mutter Österreichs«.

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Dieses »Gnadenbild von Hetzendorf« wird seit jeher von den Gläubigen mit großer Ehrfurcht und dankbarem Sinn verehrt. So hat das gläubige Volk die beiden Kronen, die bei einem Kircheneinbruch am 1. Oktober 1867 gestohlen worden waren, sofort ersetzt und am 1. Oktober 1967 neu vergolden lassen. Auch heute noch wird das »Gnadenbild von Hetzendorf« von vielen Gläubigen verehrt, die um sein Geheimnis wissen. Votivgeschenke und heilige Messen legen Zeugnis davon ab, daß die »Glorwürdige Königin« auch heute noch die »Große Mutter Österreichs« ist.

Ihr Hochfest wird am 8. Dezember als die »Unbefleckte Empfängnis« ("ohne Erbsünde Empfangene") gefeiert.

Dieses genannte »Gnadenbild von Hetzendorf« soll aus dem Schlafzimmer Kaiserin Maria Theresias stammen.


Seitenwandbilder

Krönung Jesu

Geißelung

An die Stelle der Seitenaltarbilder »Geburt« und »Hinscheiden Mariens«, zweier Werke Luca Giordanos, die angeblich durch Feuchtigkeit gefährdet waren und in die damalige k. k. Bildergalerie übertragen wurden, kamen zwei Gemälde eines polnischen Malers: die »Geißelung« und »Krönung Jesu«. Auf Grund neuerer Forschungen konnten die Bilder eindeutig dem Krakauer Bernhardinermönch Frantisek Lezinsky (1694, Franziczek Leszinski) zugeschrieben werden. (Brunner Julius, Hetzendorf und sein Schloß, Wien 1972, 175; das Mariä-Geburt-Bild hat im Kunsthistorischen Museum in Wien die Nummer 492. Das Bild »Hinscheiden Mariens« ist angeblich nicht mehr auffindbar.).


 

Seliger Kaiser Karl

Primärreliquie des seligen Kaisers Karl v. Österreich und Königs von Ungarn

Seliger Kaiser Karl von Österreich

Neben der Muttergottes-Statue wurde nach der Seligsprechung des Kaisers und Königs Karl aus dem HauseÖsterreich durch Se. Heiligkeit Papst Johannes Paul II., die am Sonntag, dem 3. Oktober 2004 erfolgte, ein würdiges Bild des Seligen angebracht. Bekanntlich besuchte seine (damals erzherzogliche) Familie vor dem Mord von Sarajevo fast täglich die hl.Messe in der Schloßkirche. Aus Sicherheitsgründen wurde sie dann von Kaiser Franz Joseph nach Schönbrunn genommen.

Mit Datum vom 3.Oktober 2004, dem Tag der Seligsprechung des Kaisers und Königs aus dem Hause Österreich durch Se.Heiligkeit Papst Johannes Paul II. übergab die Apostolische Kongregation für Selig-und Heiligsprechungen unter Beigabe eines diesbezüglichen Dokumentes - unterschrieben durch den H.H. Postulator Prälat Andreas Ambrosi - eine authentische Primärreliquie, bestehend aus einem Knochensplitter - versiegelt in einer runden Metalltheca - an die Schloßkirche zur bleibenden und ehrfürchtigen Aufbewahrung und Verehrung.

Die Reliquie befindet sich in einer Reliquienmonstranz neben dem Bild des Seligen auf der rechten Seite des Altarraumes.


Hochaltar

Der Hochaltar

 

 

Der Hochaltar ist aus schwarzem Marmor und mit Gold reich verziert.

 

 

 

Das Hochaltarbild stammt vom Kammermaler Karl Auerbach und stellt die Heilige Dreifaltigkeit dar. Die dort befindlichen drei Figuren bedeuten die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe.

Altarbild

Tugenden

Gott Sohn

Gott Vater


Statuen

Heiliger Christophorus

Hl. Christophorus

Hl. Christophorus

 

In besonderer Weise ragt unter den "14 Nothelfern" der heilige Christophorus hervor. Er ist der Schutzpatron gegen einen plötzlichen und unbußfertigen Tod. Deshalb befindet sich sein Bild oft über oder neben dem Kircheneingang. Als Schutzpatron solcher Art kam er auch dazu, Patron der Autofahrer zu werden, ohne daß die meisten wissen, worum es dabei geht.
 
 
 

 

Die Statue ist das Werk eines unbekannten Künstlers angeblich aus Kärnten und trägt klar erkennbar die Gesichtszüge Martin Luthers. Diese Gesichtszüge kamen im Zuge der Rekatholisierung Kärntens zustande, als Teile der Bevölkerung ihren evangelischen Glauben heimlich weiterpflegten. Die Statue wurde der Schloßkirche nach dem 2. Weltkrieg gespendet.

Heiliger Judas Thaddäus

Heiliger Judas Thaddäus

An der gegenüberliegenden Seite erinnert sich der Kirchenbesucher am Denkmal des heiligen Apostels Judas Thaddäus an alle Anliegen, die eines persönlichen Opfers und einer besonderen Erhörung bedürfen. Der gläubige Beter hofft auf seine besondere Fürsprache, weil er aus der Verwandtschaft Jesu stammt.

Heiliger Josef

Heiliger Josef

Der gläubige Katholik weiß auch um die Größe des heiligen Josef. Er ist der »Nährvater Jesu«, der »Schutzherr der Kirche«, der »Helfer der Verfolgten«, der »Patron der Arbeiter« und der »Schutzpatron in der Sterbestunde«. Seine Statue steht neben der Beichtkapelle.

 

Heiliger AntoniusHeiliger Antonius

Immer wieder gewährt der heilige Antonius Fürbitte, wo Opfer und Bußfertigkeit ihn darum bitten. Wer das Wesen der Antoniusverehrung erkennen will, bete das Gebet an seinem Sockel.

Heilige Theresia

Heilige Theresia

Man vergesse auch die heilige Theresia von Lisieux nicht, deren Denkmal im Haupteingang steht. Sie gehört zu den größten und bekanntesten Gestalten der Heiligengeschichte. Sie lehrt den Betrachter die alte Wahrheit: "Es muß der Mann die Weltgeschichte bauen, doch steht und fällt ein Volk mit seinen Frauen".

 

 


 

Ausstattung des Seelsorgeraums

Im »Seelsorge- und Besprechungsraum« der Schloßkirche findet sich das anfangs erwähnte Faksimile der Konsekrationsbulle des Kardinals Kollonitz.

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Den größten Raum nehmen die bekannten Bilder von Prof. Anselm Grand ein, die alle nach dem 2. Weltkrieg entstanden sind:

Grand-Der verderbenstiftende Mißbrauch menschlicher Intelligenz - gezeigt am Beispiel GolgothaGrand-Das Schloß vor der Übernahme durch Habsburg

Grand-Der schwärzeste Tag im Schloß Hetzendorf 1944

Grand-Verlorener Sohn

"Der schwärzeste Tag im Schloß Hetzendorf 1944" (der amerikanische Bombenangriff vom 17.10.1944), "Das Schloß vor der Übernahme durch Habsburg", "Der verderbenstiftende Mißbrauch menschlicher Intelligenz - gezeigt am Beispiel Golgotha" und "Die Vision Papst Pius XII".

Ein weiteres Bild von ihm findet sich in der Beichtkapelle: "Der verlorene Sohn".

 

 

 

 


 

Sakristei

Heiliger Augustinus

Christus am Kreuz

In der Sakristei der Schloßkirche ist eine Statue des heiligen Augustinus aufgestellt, eine alte Bauernschnitzerei aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts.

 

 

 

 

 

Ein bedeutender Schatz ist das Ölbild "Christus am Kreuz" von Johann Schindler aus 1835! Es hängt an der Wand zur Kirche. Mit anerkennenswerter Opferbereitschaft der Kirchenbesucher wurden das Bild und auch der Rahmen 1996 / 1997 restauriert.

 


 

Die große Kirchenrenovierung 1995 - 2000

 

Seit über 10 Jahren fanden Restaurierungsarbeiten in dieser heute als Modeschule der Stadt Wien genutzten Schloßanlage statt, die zu den bedeutendsten ihrer Art in Wien zählt. Das ab 1694 nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach erbaute ehemalige Jagdschloss wurde 1719 durch Anton Ospel und Antonio Beduzzi zu einem barocken Gartenschloß umgebaut. Nach dem Ankauf durch Kaiserin Maria Theresia 1742 kam es zu Um- und Erweiterungsbauten durch Nicolaus Pacassi. Das Hauptgebäude des um einen Ehrenhof gruppierten barocken Baukomplexes weist eine ebenso reiche wie qualitätvolle Ausstattung auf.

Die Instandsetzungen begannen zunächst mit einer Sanierung der Außenfassaden und des Daches und fanden ihre Fortsetzung in einer schrittweisen Restaurierung der Innenräume. In außerhalb liegenden Nebenbereichen wurden für den schulischen Betrieb notwendige Erweiterungsbauten errichtet. Die Schloßkirche, 1743 bis 1745 von Nicolaus Pacassi errichtet, dient heute als exempte Rektoratskirche und liegt im Territorium der Pfarre Hetzendorf. Der kleine zweigeschoßige Saalraum zählt mit seiner bedeutenden künstlerischen Ausgestaltung zu den bemerkenswertesten barocken Kirchenräumen Wiens und ist in der Öffentlichkeit weithin unbekannt.
Altersbedingte Schäden, aber auch Feuchtigkeit und bei Restaurierungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aufgebrachte Übermalungen, hatten den Fresken stark zugesetzt. Die Restaurierung umfaßte die Abnahme oberflächlicher Verschmutzungen. Entfernung von Sinterkrusten und Übermalungen, Ausbesserung von Rissen und Fehlstellen, Fixierung der Malschicht und eine vorsichtige Retusche mit Ergänzung der Vergoldungen. Damit konnte die ursprüngliche Farbigkeit und Leuchtkraft der Malereien nahezu wieder hergestellt werden. Ebenfalls restauriert wurden die Stuckmarmorbereiche in der unteren Raumzone sowie die acht auf den Türüberdachungen sitzenden Putti, die teils stark beschädigt waren.
Die sehr qualitätvollen Ölgemälde in der Kirche - das monumentale Hochaltarbild der heiligen Dreifaltigkeit von Karl Auerbach von 1745 sowie die Bilder der Geißelung und Dornenkrönung Christi von Franziczek Liezinski aus 1694 - wurden ebenso einer sorgfältigen Restaurierung unterzogen, indem versprödete Firnisschichten abgenommen, Übermalungen entfernt und ein neuer Firnis aufgebracht wurde. Mit der Instandsetzung des Innenraums der Schloßkirche von Hetzendorf fand eine langjährige Restaurierungskampagne ihren krönenden Abschluß, die nun die außerordentliche künstlerische Qualität dieses ehemaligen kaiserlichen Lustschlosses, das in seiner Bedeutung Schönbrunn und den anderen barocken Bauten des Kaiserhauses ebenbürtig ist, wieder erlebbar macht.

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